Schafe im Wolfspelz

12226370_192154357790018_1390865709_nWährend sich Anfang der 90er Jahre in Skandinavien die kalten Wurzeln einer musikalischen Urgewalt, namens Black Metal, tief in die nordische Erde gruben, breitete sich auch die 2. Welle der Straight-Edge-Bewegung weltweit aus, wobei die größten Szenen in Europa (insbesondere in den Niederlanden und Deutschland) und Ozeanien entstanden. In Israel und Lateinamerika entstanden größere linksradikale und anarchistische Szenen, in Südafrika wurden vereinzelt christlich geprägte Straight-Edge-Bands gegründet.


Zwei Szenen die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da mutet es doch seltsam an, wenn man gut 25 Jahre später Begriffe wie „Straight-Egde-Black-Metal“ lesen muss, besonders wenn man die heutige Ausprägung dieser Straight Egde und Hardcorebewegung betrachtet.
Ein wenig zu vergleichen ist die ganze Sache mit der katholischen Kirche im Mittelalter. Die Protagonisten seiern ihre Dogmen von der Kanzel oder aus dem Mikrofon und die schafköpfige Anhängerschaft läuft in ihrem fanatischen Hörigkeitswahn hinterher.
Da hat man gedacht, man hätte solcherlei Unfug längst hinter sich gelassen, zumindest im eigenen musikalischen Umfeld, aber nein, man wird wieder eines Besseren belehrt.
Egal wie diese Abarten nun auch ausgerichtet sein mögen, ob aus der gutmenschlichem Jammerecke kommend, oder ob sie auf den ersten Blick eine anständige Weltsicht zu vertreten scheinen, mit Schwarzmetall und dessen Tradition ist diese Musik und Lebensdogmatik in keinster Weise vereinbar.
Beschäftigen wir uns einmal kurz mit den Kernaussagen von Straight Egde, die da wären: „(I) Don’t smoke, Don’t drink, Don’t fuck – (Ich) rauche nicht, trinke nicht, ficke nicht“
Hehre Vorsätze mag sich der ein oder andere denken, bis aufs nicht ficken, welches ja aber auch nur auf häufig wechselnde Partner bezogen ist, klingt das doch gar nicht so verkehrt.
Wenn man für sich entschieden hat einen solchen „gesunden“ Lebensweg zu gehen, was auf jeden Fall eine respektable und achtenswerte Einstellung ist, warum macht man daraus nun einen Lifestyle, statt eine Lebenseinstellung oder Weltanschauung zu vertreten? Straight Egde ist einfach nur eine Modeerscheinung, ein subkulturelles Abfallprodukt, der heutigen Mainstream Gesellschaft. Wahres elitäres Denken und Handeln muss nicht beworben und angepriesen werden, es steht alleine durch sich selbst.
Die Hardcore und die damit verbundene Metalcoreszene ist genauso zu bewerten, wie die dort vorgelebte Straight Egde Unkultur. Seelenloser, dem Zeitgeist und der Gesellschaft angepasster Modeschrott. Man sollte aus der teilweisen Vereinnahmung der Death Metal Szene lernen. Dort wunderte man sich Anfangs über die armen Gestalten in Jogging Hosen und Amimützen, deren hohle Köpfe man durch ihre mit Negerschmuck verzierten Ohrläppchen hätte schieben können. Das sogenannte Violent Dancing fiel erst nicht weiter auf. Als toleranter Todesmetaller sucht man ja gerne Körperkontakt, da man auf diesen im Alltagsleben ja leider aufgrund mangelnder Hygiene verzichten muss. Irgendwann hatte aber auch diese Toleranz ein Ende und der Death Metal Konzertbesucher die Schnauze voll, im wahrsten Sinne des Wortes. Da war es nur leider schon zu spät. Die Bands hatten sich etabliert, das unerwünschte Publikum war in der Überzahl. Nun bleibt nicht mehr viel übrig als gute Miene zum bösen Spiel zu machen, ganz im Zeitgeist dieser schönen Republik.
Was der Black Metal in Deutschland sicherlich nicht braucht ist eine Parodierung durch Varianten von Punk und Emo-Bands, welche sich vor genau jenem armseligen Publikum profilieren wollen.
Man sollte nicht vergessen, was ein Black Metal Konzert überhaupt traditionell darstellt: Eine Schwarze Messe, ein heidnisches Ritual, ganz nach Schlagrichtung der Band oder der eigenen Sichtweise. Absolut fehl am Platz sind hier sicherlich Stage Diving, Gemoshe oder Crowdsurfing. All dies widerspricht vollkommen dem Sinngehalt des traditionellen Schwarzmetalls und wer das nicht einsieht, sollte weder Black Metal spielen noch ein Konzert besuchen. So kommt man auch gar nicht in die Verlegenheit mit dem Anblick von schwarz gekleideten, Patronengurt tragenden Personen konfrontiert zu werden, die zudem evtl. auch noch Alkohol und/oder Tabak konsumieren.
Von unserer Seite aus steht klar fest, null Toleranz gegenüber Core Einflüssen jeglicher Art, null Toleranz gegenüber der Unterwanderung durch zeitgeistige Modeeinflüsse.
Wenn Abstinenz, dann durch innere Überzeugung und Stärke, im Einklang mit einem gesunden Geist.
Black Metal bleibt für uns ein Hort der Abschottung gegenüber der Moderne, wehrhaft und unangepasst.