Runenwacht – Blutrecht, Albumanalyse!

Vor wenigen Wochen erschien die von vielen erwartete, fünfte Veröffentlichung der Kultkapelle Runenwacht. Mit dem aussagekräftigen Titel „Blutrecht“ kann man bereits erahnen in welche Richtung die Reise dieses mal gehen wird. Wir haben uns umgehend ein paar Exemplare gesichert und möchten euch nun, über dieses neue Machwerk etwas genauer berichten!

Runenwacht, eine seit 2013 existierende Schwarzmetall-Formation, die sich innerhalb von wenigen Jahren einen festen Platz in der BM-Gemeinde erspielt hat. Ihr Ruf eilt ihnen in den meisten Fällen voraus, was natürlich auch seit geraumer Zeit die selbsternannten Sittenwächter auf den Plan ruft. Dies kann man aber getrost, vor allem in der heutigen Zeit, als Ritterschlag werten. Bedeutet es doch, dass man sich nicht dem allgemeinen Zeitgeist unterwirft, nach wie vor kritische und ehrliche Texte verfasst und seinem eingeschlagenen Weg treu bleibt. Das können wahrlich nicht viele deutschsprachige Kapellen von sich behaupten und so schaffen sich Runenwacht eine stetig wachsende Anhängerschaft!

Aktuell besteht die Baden-Württembergische Truppe wieder aus drei Musikanten. „Rex“ als Sänger und Gitarrist und „Sturmkaiser“ am Schlagwerk waren bis vor kurzem noch die Stammbesetzung, bis „Schlächter“ als zusätzliche Unterstützung am Bass dazu kam. Das neue Werk, welchem wir uns heute widmen, wurde von diesen drei Herren gemeinsam geschaffen.


„Blutrecht“ ist in zwei verschiedenen Variationen verfügbar (gewesen), als klassische Jewelcase und als Jewelcase in einer schicken Holzbox mit allerhand Bonusmaterial. Unter Anderem mit einem Metallpin, einem Aufnäher und einem Poster, machte man diese Box zu einem echten Unikat. Beides ist (war) über „Northern Fog“ erhältlich. Die Holzbox war entsprechend der hohen Nachfrage innerhalb weniger Tage restlos vergriffen. Die Aufmachung des Albums ist im klassischen „Runenwacht-Design“ gehalten. Simpel und schlicht, ohne große Schnörkel. Etwas verwirrend ist allerdings die Tatsache, dass es zwei Booklets gibt in denen jeweils die Texte abgedruckt wurden. Das erste besteht aus vier Seiten und das zweite aus Drei. Welche Sinn dahinter steckt oder ob es sich hierbei um einen Produktionsfehler handelt, wissen wir nicht – spielt aber im Prinzip auch keine übergeordnete Rolle. In beiden Booklets befinden sich die Abschriften der einzelnen Titel und dazu noch ein paar dazugehörige Promo-Bilder. Einzig das CD – Cover ist für unseren Geschmack etwas zu einfach gestaltet.

Runenwacht Holzbox (Bild: Northern Fog Records)

Wir bekommen insgesamt zehn Titel geboten, die sich alle inhaltlich als auch musikalisch voneinander unterscheiden, jedoch hörbar und lesbar ein Grundkonzept verfolgen. Mit einer Gesamtspiellänge von knapp 46 Minuten wird uns hier auch zeitlich ein echtes Vollalbum präsentiert. Musikalisch ist es, so werden es wohl die meisten empfinden, das was man von Runenwacht erwartet. Sie bleiben ihrem Stil treu, das hört man und das spürt man auch. Jedoch, und das muss man klar erwähnen, sind die Herren spielerisch erwachsener geworden.  Die Musik ist gereift, die Riffs klingen härter und man versucht sich an einigen Stellen selbst neu zu definieren. Die obligatorischen „Polka-Schunkel“ Parts sind verschwunden und wurden durch gezielte und stimmige Tempowechsel ersetzt. Das klingt dann einfach ausgereifter und genau das ist es ja, was man bei einer Weiterentwicklung auch erwartet. Teilweise kehrt man hier zu ursprünglichen Elementen zurück, schleppende Midtempo Stücke, die dann mit Doppel und Blastbeats völlig aus dem Ruder laufen um dann gezielt wieder im Midtempo-Bereich zu enden. Ein Paradebeispiel hierfür ist das Tonstück „Blutrecht“. Dann gibt es Stücke wie „Seht den Flug des Raben“ die fast ausschließlich in schnellem Tempo gehalten sind. Immer wieder finden sich die sogenannten „Breaks“, die einen Wechsel der Geschwindigkeit ankündigen und somit eine gewisse Härte vermitteln. Frontmann „Rex“ zaubert auch auf diesem Machwerk wieder einige exzellente Riffs aus dem Ärmel, die dann zum Beispiel bei, „Der König von Thule“ ein fast schon episches Intro kreieren. Musikalisch ist das gesamte Album eine gelungene Abwechslung verschiedenster Black Metal – Epochen und man hört hier stellenweise auch skandinavische Einflüsse aus den guten alten Tagen. Wem das hier gebotene Werk zu einseitig erscheint oder gar zu „sauber“ der möge bitte umgehend einen Ohrenarzt aufsuchen!


Lyrisch verarbeitet Runenwacht nicht nur vergangene Zeitalter wie etwa in „Ahnenschwur“, „Was einst war“ oder eben „Der König von Thule“, sondern beschäftigt sich auch mit der aktuellen Lage der Dinge. Bestes Beispiel hierfür ist wohl das Stück „Degenerierte Schweine“! Hier macht man sich Luft und zwar ordentlich. Ob es die Horden fremder Invasoren sind oder die Gruppierungen, die diese Invasion fördern, hier bekommen wohl alle ihr Fett weg. Richtig so! Das dürfte einigen Moralaposteln wieder sauer aufstoßen, verschafft aber Runenwacht wieder einmal den entsprechenden Ruf der politischen Inkorrektheit, welche es im deutschen Black Metal leider viel zu selten gibt. Die Herren nutzen ihre Kapelle um klare und unmissverständliche Botschaften an den Mann zu bringen ohne dabei übertrieben „krakig“ zu wirken. Natürlich spielt das für die Gesinnungspolizei keine Rolle, aber das ist wieder ein anderes Thema. Klar ist, die Formation Runenwacht bleibt unbeugsam, sowohl textlich als auch musikalisch und eben dieser Aspekt macht sie, für den deutschsprachigen Schwarzmetall so wertvoll!

Promobild Northern Fog Records

Unser Fazit zu diesem 46 minütigem Werk mit dem Namen „Blutrecht“: Eigentlich ein Pflichtkauf! Natürlich ist alles immer eine Frage des Geschmackes, jedoch kann jeder, der die Werke bis zum Jahre 2018 mitverfolgt hat und die vorherigen Alben ebenfalls sein Eigen nennen kann, hier bedenkenlos zugreifen.

„Blutrecht“ ist eine gekonnte und wahrlich gut umgesetzte Weiterentwicklung und unserer Meinung nach, dass solideste und bisher beste Werk der Herren aus Baden-Württemberg!

Erhältlich ist das gute Stück bei Northern Fog Records!