Hot Shower – Black Metal weicht moderner Partykultur!

Pünktlich zum Tag der deutschen Einheit, wo unsere bunte Republik in heller Freude versinkt, erreichte uns die Kunde, dass am 13. April 2019 wieder zu einer heißen Dusche nach Italien geladen wird. Wem diese Aussage jetzt seltsam vorkommen mag, dem sei eine kurze Erläuterung gegeben.

Mit ,,heißem Duschen“ ist die nun in ihre achte Ausgabe gehende
Konzertreihe ,,Hot Shower“, welche in Norditalien stattfindet, gemeint, welche sich mittlerweile zu einem jährlichen Höhepunkt in Sachen politisch inkorrekten Black Metals entwickelt hat. Viele bekannte Namen wie Absurd, Peste Noire, der Stürmer oder Graveland standen dort bereits auf der Bühne und um vorab das Interesse potentieller Zuschauer wecken zu können, wird mittlerweile ein Video zur Ankündigung des Konzertes im Voraus veröffentlicht, sowie online mit Plakaten und Flugblättern geworben.


Klingt doch ganz gut, würde man jetzt denken und auf den ersten Blick hört sich dies tatsächlich sehr verlockend an. Eine hervorragende Auswahl an Bands im nicht weit entfernten Italien zu sehen, ohne das Sven Hell und Konsorten dazwischen funken können, was will man mehr?
Leider gibt es auch hier leider, wie so oft, einen Haken, welcher uns mittlerweile sehr zu Gemüte schlägt, nämlich die mehr als lächerlichen Mottos wie ,,Al Dente“ oder ,,Würstelmania“, welche sich in ebenso bizarren, Gelächter oder Fremdschämen erzeugenden Flyern und Ticket-Gestaltungen, als auch in noch lächerlicheren Konzerttrailern manifestieren und eher an eine süffige Party als an ein Black Metal Konzert erinnern.
Konzertkarten und Poster zieren SS-Totenköpfe, Swastikas, niedlich gestaltete KKK-Männchen oder sogar die Wrestling-Legende Hulk Hogan und der Wissenschaftler Stephen Hawking.

Die dazugehörigen Trailer stehen dem in nichts nach, der kürzlich veröffentlichte ist in dieser Hinsicht kaum noch zu übertreffen. Im Stile einer amerikanischen Werbung, preisen Schwarze, Weiße, Hitler und Mussolini das Event, alle mit flotten Sprüchen auf den Lippen, während zusätzlich noch Märsche aus der NS-Zeit, als zusätzliche Werbeträger und natürlich passend zu den flotten Sprüchen, dazwischen geschnitten werden. Ein ernsthaftes Niveau kann man hier nur erahnen. (Der Trailer wurde mittlerweile auf Vimeo gesperrt, ansonsten hätten wir euch den Link dazu nicht vorenthalten)

Für ein Black Metal Konzert, welches jahrelang Bands mit einer klaren Botschaft auftreten lässt, ist diese übertrieben lustige und unernste Gestaltung ein Armutszeugnis. Die dort auftretenden Bands haben allesamt eine Aussage, die sie sowohl in ihrer Musik, als auch bei ihren Live-Darbietungen, dem Zuschauer vermitteln möchten.
Doch wenn man auf einem Konzert mit dem Motto ,,Würstelmania“ auftritt, wer soll dann die Band und ihre Botschaft noch wirklich ernst nehmen? All das lädt im Endeffekt nur zu einem gemeinsamen Besäufnis nach Italien ein, um dort kantige Bands bestaunen, mit diversen bekannten Gesichtern mal wieder gepflegt ,,abhitlern“ und römische Grüße bis zum Tennisarm verteilen zu können.

Gruppen wie Baise Ma Hache, Stahlfront oder Peste Noire, welche allesamt mit einer ernsten Thematik arbeiten und auch auf der Bühne mit dieser auftreten, wollen den Besucher davon etwas mitgeben können, sodass er das Konzert als etwas Besonderes empfinden, über den Inhalt nachdenken und abseits des Alltages ein besonderes Erlebnis verspüren kann. Wenn man das ganze Festival wie eine Art Partyurlaub aufzieht, stehen die Bands in Wahrheit nur im Hintergrund. Tatsächlich zelebriert man nur, und das muss ganz klar gesagt werden, die moderne geist- und seelenlose Feierkultur unserer dekadenten Zeit, lediglich das Publikum und die Musik sind ein anderes, im Herzen könnte es dieser jedoch nicht ähnlicher sein.
Die Organisatoren des Festivals mögen gute Leute sein, welche auch einen Geschmack für ein gutes Lineup besitzen. Wir möchten nicht einmal anzweifeln, dass diese mit ihrem Festival ein durchaus unterstützenswertes Ziel verfolgen.
Doch die Zielgruppe die deren ganze Werbung und Aufmachung anlockt, zerstört im Endeffekt jegliches Ziel was damit erreicht werden soll, sei es nun dieser Musikszene zu helfen und ,,speziellen” Bands eine Bühne zu bieten oder eine Plattform, zum Transport gewisser Inhalte, bereitzustellen. Man degradiert eine gute Idee zu nicht mehr als einem dekadenten Erlebnis und das, obwohl man sich damit doch eigentlich genau gegen diese Dekadenz stellen möchte.

Dass dies auch anders geht beweist das Asgardsrei-Festival in Kiew, welches von der Militant Zone organisiert wird. Hier stehen die Aussagen der Bands im Vordergrund. Man möge sich darüber beschweren, dass dort ein gewisses politisches Klima herrscht, aber seien wir ehrlich, wenn man die Speerspitzen des sogenannten NSBM auftreten lässt, sollte man dies auch erwarten. Schließlich singen diese nicht über rein triviale Themen wie Misanthropie oder Satanismus. Die Veranstalter wollen sogar, dass sich die extremen Flügel dieser Musikszene zusammenfindet um ein besonderes Ereignis erleben zu können. Sicherlich sind auch dort einige ,,Partyurlauber” vertreten, diese Tatsache wird man auch nicht vermeiden können, dennoch wird dort keine Sauf- und Feierkultur betrieben. Der Sinn und Zweck der Veranstaltung, sowie die Gruppen die dies verwirklichen sollen, stehen hier glasklar im Vordergrund, so und nicht anders sollte es auch sein.
Man degradiert sich selbst nicht zu einer großen Festivität, sondern bietet dem Besucher ein militantes Black Metal Festival, etwas, was man sonst nirgends in dieser Form geboten bekommt.


Um zum Ende zu kommen, wer bis hierher gelesen hat, der möge uns erneut als elitär bezeichnen und behaupten, dass wir mal wieder alles zu ernst nehmen. Der möge aber auch über unsere Einwände nachdenken, einmal kritisch hinterfragen wofür das ,,Hot Shower Fest” steht und welche Konsequenzen dies auf lange Sicht nach sich zieht. Wir brauchen zwar diese Form von Konzerten, gerade um unbequemen Black Metal aus Europa eine Plattform zu bieten, dennoch sollte der Ernst der Sache und die Botschaft der dort spielenden Kapellen nicht einer dekadenten BRD-Kultur weichen, welche der Musik und den Künstlern jeglicher wirklichen Bedeutung beraubt und die ganze Veranstaltung zu einem Abziehbild der Gesellschaft verkommen lässt. Einem Abziehbild genau jener Gesellschaft, der man dort eigentlich trotzen will.

Als Abschluss seien euch hier noch die Worte eines ehemaligen Stahlfront-Mitgliedes in Bezug auf das HS präsentiert, welche zusätzlich zu denken geben sollten:

,,Wenn man als Veranstalter eine ernsthaft politisch motivierte Gruppe auftreten lassen möchte, dann soll das auch im dazugehörigen Rahmen passieren und nicht beim Saufgelage, wo Hinz und Kunz aus nah und fern einmal im Jahr den Mussolini tanzen lassen und dann wochenlang mit geschienten Arm zu Hause sitzen um eine Schleimbeutelentzündung vom stundenlangen ,,Abhitlern” auszukurieren.”