Treffen mit Schwarzmetall Erzgebirge und Bingeführung

Noch bevor wir am vergangenen Sonnabend die im Vorbericht erwähnten Kapellen begutachten durften, traf man sich mit den Damen und Herren aus der Region, die sich seit einiger Zeit zu einem ähnlichen Verbund zusammenfanden, wie es Black Metal Germania einst tat.  Die Kameradschaft Schwarzmetall Erzgebirge!


Um unsere Gemeinschaften enger zusammenwachsen zu lassen, beschloss man sich vor dem Metal Massacre XIV Gruppenintern zu treffen, um gemeinsam Kultur und Geschichte hautnah zu erleben. Das Erzgebirge bietet neben der augenscheinlich beinahe unberührten Natur, eben auch frühzeitliche Bergbaugeschichte, die bis in die 1960er Jahre hineinreicht.

Die im Ort Geyer entstandenen „Pinge“ sind sogenannte Vertiefungen die im Zuge von Bergbauarbeiten durch Einbrüche alter Tiefbaugruben. Im Gegensatz zu natürlichen Geländeformen sind die Geyerschen Binge ein künstliches Gebilde.

Die Führung durch diese Brüche erfolgte durch einen ortskundigen Kameraden der Erzgebirgler-Truppe. Mit reichlich Hintergrundwissen, allerhand Jahres – und Datenzahlen versorgte man uns gut eine Stunde an diesem Tag.


Ein paar der hängengebliebenen Fakten wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.

Am Geyersberg im Südosten von Geyer wurde der Bergbau erstmals urkundlich in den Jahren 1395 bis 1400 erwähnt. Hier wurde hauptsächlich Zinn gefördert, aber auch Silber, Kupfer und weitere Erze. Durch Zusammenschluss von sieben Gruben entstand 1462 ein erstes bergmännisches Großunternehmen im Erzgebirge, die privilegierte Thiermann-Stolln-Gesellschaft. Im Jahr 1699 begann der Übergang zum Tiefbau im Hirtenstollen. Zwischen 1739 und 1773 wurden jährlich zwischen vier und zehn Tonnen Zinn produziert. Die Grube „Weiße Zeche“ förderte in den Jahren 1767 und 1768 mit 884 Zentnern Zinn eine besonders große Menge. In den Jahren 1740 und 1741 gab es um den Geyersberg 17 Zechen, 25 Pochwerke und Wäschen sowie 4 Zinnhütten. Der Abbau erfolgte dabei bis in eine Tiefe von 106 m.

 

Aufgrund des harten Granitgesteins am Geyersberg wurde vor allem die Technik des Feuersetzens angewandt. Für einen Zentner Zinn mussten etwa 10 Kubikmeter Gestein abgebaut werden.

Die vielen durch intensiven Raubbau entstandenen, zu dicht beieinander liegenden Hohlräume und Gänge wurden dem Bergwerk unter dem Geyersberg schließlich zum Verhängnis. Ein erster größerer Bruch unter Tage 1704 führte zur Intensivierung des Bergbaus, da die Bruchmassen leichter zu gewinnen waren. Im Jahr 1791 kam es zu einem weiteren Untertagebruch und 1795 erfolgte ein erster Pingenbruch, durch den die tieferen Abbaue überflutet wurden. In der Folge mussten mehrere Betriebe schließen. Der letzte und verhängnisvollste Bruch ereignete sich am 11. Mai 1803, als der gesamte Berg in sich zusammenbrach und das Gestein bis zum November des Jahres nicht zur Ruhe kam. Er führte zur Einstellung des Tiefbaus. Seitdem ragt das Felsmassiv des „Knauers“ aus der kraterförmigen Vertiefung. Bis heute ruhen zwei verschüttete Bergleute unter den Gesteinsmassen.

In den 1950er Jahren begann die letzte Bergbauära. Mit neuerer Technik versuchte man im Jahr 1957 die Aufwältigung und Vertiefung des Franz-Schachtes, wodurch 1958 einige Restvorkommen erschlossen werden konnten. Dabei wurden noch etwa 200.000 Kubikmeter offene Hohlräume entdeckt, die dem großen Bingenbruch standgehalten hatten. Bis 1960 erfolgten noch Erkundungsarbeiten mit negativem Verlauf. In Teilbereichen der Binge gab es im Jahr 1969 erneute Einbrüche. Die Geyerschen Binge können heute auf befestigten Gehwegen besichtigt werden und stehen darüber hinaus seit den 1930er Jahren unter Naturschutz obgleich sie bis 1929 auch als Steinbruch genutzt wurden.

Für uns, die nicht aus dieser Region stammen, war dies ein mehr als aufschlussreicher Ausflug, in dem uns die Geschichte und Entstehung der Geyerschen Binge anschaulich und gut erklärt näher gebracht wurde.

Im Anschluss fuhr man gemeinsam ins benachbarte Tschechien und gönnte sich ein vorzügliches Abendessen, bis es dann gemeinsam zum Black Metal Gelage nach Cunersdorf ging! Ein ereignisreicher Tag, der unbedingter Wiederholung bedarf!


Unser Dank gilt in erster Linie dem Geyerschen Binge – Führer und natürlich den Damen und Herren von Schwarzmetall Erzgebirge, die diesen Tag so außerordentlich gut planten und durchführten. Es war uns eine Freude und Ehre dabei gewesen sein zu dürfen!

In unitate firmitas!

Glück auf und vielen Dank!