Bilskirnir – ,,In Solitary Silence“ – Rezension

 

Ohne große Vorankündigung erreichte uns völlig überraschend die Kunde, dass das deutsche Einmannprojekt Bilskirnir, ein weiteres Urgestein des deutschen Black Metal, eine neue Veröffentlichung unter das Volk gebracht hat. Diese trägt den Namen ,,In Solitary Silence” und ist leider nicht das langersehnte fünfte Album des Projektes, auch kein gänzlich neues Material, sondern eine bisher unveröffentlichte EP, welche zwar seit vielen Jahren in Arbeit und Produktion ist, aber bisher nie das Licht der Welt erblickt hat. Stilistisch soll diese den Übergang zwischen den Alben ,,Wotansvolk” und ,,Wotan Redivivius” darstellen und wird von Widar auch als die verfluchte EP bezeichnet, wie dieser im Beiheft der CD anmerkt. Ob diese „verfluchte“ EP die hohen Erwartungen, welche man an Bilskirnir stellt, erfüllen kann oder ob dieser Tonträger lieber hätte in Vergessenheit geraten sollen, erfahrt ihr im Folgenden.


Optisch kommt ,,In Solitary Silence” schlicht und simpel gehalten daher. Das Beiheft der CD besteht aus zwei Seiten, welche einen kurzen Einblick in die Geschichte der ,,verfluchten” EP gewähren, sowie den Text zum Lied ,,Blazon of the Night”, Informationen zu den Aufnahmen und zu den beteiligten Musikern enthalten. Künstlerisch untermalt wird die Gestaltung durch zwei Gemälde des norwegischen Künstlers Theodor Kittelsen, mit den Titeln ,,Husmann” (Cover) und ,,Walpurgishall”. Die simple Gestaltung, von den beiden Gemälden unterstützt, gibt daher bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die finstere und mystische, in der Musik vorherrschende Stimmung.

Das kurze Intro, komponiert von ,,Avenger”, welcher auch den Bass auf dieser Veröffentlichung beisteuert, erzeugt ohne Große Umschweife eine dunkle und bedrohliche Stimmung, als würde ein Alptraum einen in einen dunklen Wald bei Nacht versetzen.

An diese Stimmung knüpft das Lied ,,Home” an, welches von einem einsamen Wanderer, ähnlich dem auf dem Gemälde ,,Husmann”, auf der Suche nach seiner Heimat, erzählt. Dieser Wanderer empfindet nur noch Abscheu für die Welt, die ihn umgibt, welche einen die bedrohliche Stimmung des Stückes mehr als passend vermittelt. Stilistisch fühlt man sich an die besten Tage von Burzum zurückerinnert, denn die Stimmung erinnert stark an die eines ,,Det Som Engang Var”. Doch Widar versteht es diesem Stil seinen Stempel aufzudrücken und etwas eigenständiges daraus zu erschaffen. Er versteht es auch ein Gefühl von Hoffnung, trotz der düsteren Stimmung, zu vermitteln, welche den Hörer erahnen lässt, dass der Wanderer seine Heimat und somit seinen Seelenfrieden, vielleicht eines Tages findet wird.

Das Stück ,,Behind the Ice” ist weniger düster, bedrückend und atmosphärisch komponiert, sondern sehr rockig und eingängig gehalten, was sofort Erinnerungen an ähnliche Stücke des ,,Wotansvolk” Albums weckt und genauso gut auch hätte auf diesem stehen können. Trotzdem das Lied ohne nennenswerte Höhepunkte auskommt, regt es doch zum ,,Mitwippen” an und reiht sich somit ein, in den Reigen guter, wenn auch nicht überragender Lieder Bilskirnirs.

Mit ,,Blazon of the Night” kehrt Widar zurück zur finsteren Stimmung des Liedes ,,Home” und auch dieses Lied wirkt wie eine perfekte Mischung aus Bilskirnir und Burzum. Erneut wird die Geschichte eines einsamen Wanderers erzählt, dessen einsamer Pfad, durch den Schein tausender Fackeln am Horizont, erleuchtet wird. So mystisch sich diese Beschreibung des Textes anhört, so klingt auch dieses Stück. Die Musik, im Einklang mit dem Text und dem Gemälde ,,Walpurgishall” erlebt, sorgt darüber hinaus für ein besonderes musikalisches Erlebnis, fernab jedes sterilen und seelenlosen Burzum-Klones und zeigt auf, das Gestaltung, Musik und Text eine beeindruckende Einheit miteinander bilden können.

Den Ausklang von ,,In Solitary Night” stellt das Lied ,,Victoria Solis” dar. Dieses basiert auf dem Stück ,,Siegsonne”, vom Album ,,Wotan Redivivus”. Doch wer denkt, dass es sich hier um eine alternative Version des genannten Stückes handelt, der könnte nicht weiter daneben liegen. Mit ,,Victoria Solis” wagt Widar ein spannendes Experiment, da es sich hier um ein reines Ambientstück handelt. Das Grundgerüst von ,,Siegsonne” wurde beibehalten, man hört auch ab und an einige Parallelen heraus, dennoch erzeugt dieses Lied eine wesentlich freundlichere Stimmung, als sein Vorbild und geht über weite Strecken seinen völlig eigenen Weg. Der Hörer fühlt sich, als wäre er aus einem Alptraum erwacht, die grauenhafte Stimmung des Traumes endlich überwunden, ein Schimmer von Hoffnung breitet sich aus. Wie die Sonne die über einem finsteren Wald aufgeht, die Dunkelheit besiegt und dem dort streifenden Wanderer wieder Hoffnung in dessen Herz bringt und ihn mit Lebenskraft erfüllt, der Sieg der Sonne über die Finsternis, kurz gesagt. Mit dieser Stimmung treibt das Lied vor sich hin, ohne dabei langweilig zu werden. Wer also offen für solche Experimente ist, wird auch hier auf seine Kosten kommen.


Fazit:

Mit der ,,verfluchten” EP liefert Widar eine Veröffentlichung, die sich keineswegs hinter älteren Glanztaten dieses Einmannprojektes verstecken muss. Mit ,,Home” und ,,Blazon of the Night” präsentiert er zwei atmosphärisch überragende Stücke, sowie mit ,,Victoria Solis” ein interessantes Experiement, welches aber sicher die Geschmäcker spalten wird. Der gelungene Gesamteindruck wird von der simplen, aber zur musikalischen Stimmung mehr als passenden Gestaltung abgerundet. Anhänger Bilskirnirs werden hier definitiv auf ihre Kosten kommen und auch all jene, die finsteren Black Metal der Marke Burzum lieben. Daher sei von uns eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen!